Atrien und großflächige Glasdächer erzeugen ein spezifisches thermisches Problem: den Treibhauseffekt, verstärkt durch das zwischen den Glasflächen und dem unteren Verkehrsbereich eingeschlossene Luftvolumen. In Einkaufszentren, Hotels und Tertiärgebäuden mit solchen Strukturen können die Sommertemperaturen die regulatorischen Komfortschwellenwerte überschreiten. Gleichzeitig stellen Eingriffe an diesen Flächen – für die Montage eines Sonnenschutzes oder Wartungsarbeiten – spezifische logistische Anforderungen.
Das thermische Problem von Atrien
Ein unbehandeltes Atrium verhält sich wie ein Treibhaus. Die einfallende Sonnenstrahlung durchdringt das Dach oder die geneigten Glasflächen, erhitzt die inneren Massen (Böden, Konstruktionen, Mobiliar) und wird durch die Glashülle gefangen, die einen Teil der von diesen Massen zurückgestrahlten langwelligen Infrarotstrahlung blockiert.
Der Effekt wird durch die thermische Trägheit des Luftvolumens verstärkt: Die Wärme steigt durch Konvektion auf und sammelt sich in den oberen Bereichen des Volumens – es entsteht ein erheblicher Temperaturgradient zwischen dem unteren Aufenthaltsbereich und dem oberen Teil des Atriums. Ohne Behandlung der Verglasung kann dieser Gradient bei einem vier- bis fünfgeschossigen Gebäude über 10 °C betragen.
Die Sonnenschutzmaßnahme setzt an der Quelle an: Durch Reduzierung des durch die Verglasungen einfallenden Solarenergiestroms begrenzt die Folie den Temperaturanstieg im gesamten Volumen.
Sonnenschutzlösungen für Hochverglasung
Nachrüstbare Sonnenschutzfolien
Die Anbringung einer Sonnenschutzfolie auf den bestehenden Verglasungen eines Atriums ist die häufigste Lösung für Gebäude im Betrieb, da kein Austausch der Verglasungselemente und keine baulichen Änderungen erforderlich sind. Die Folie wird je nach Verglasung auf der Innen- oder Außenseite aufgebracht.
Bei Hochverglasung ist die Außenmontage oft vorzuziehen: Sie vermeidet Zugangsprobleme von der Innenseite des Volumens (Arbeitsplattformen, Schutz von Mobiliar und Verkehrsflächen) und ermöglicht die Installation in Zeiten reduzierten Betriebs.
Sonnenschutzfolien mit hohem TSER (Gesamtenergiedurchlassgrad-Reduktion über 70 %) werden für stark exponierte Atrien empfohlen – insbesondere bei flach geneigten oder zenithalen Glasdächern. Diese Folien reflektieren einen erheblichen Teil der einfallenden Strahlung, bevor sie in das Volumen eindringt.
Nachrüstfolie oder Verglasungsaustausch
Der Austausch der Verglasung durch Elemente mit integriertem Sonnenschutz (getöntes Verbundglas, Low-E-beschichtetes Glas) ist bei Neubau- oder vollständigen Sanierungsprojekten der Gebäudehülle möglich, erfordert jedoch mehrere Monate Vorlaufzeit und deutlich höhere Stückkosten. Für Gebäude im Betrieb stellt die nachrüstbare Folie die übliche Lösung dar – mit einer Installationsdauer von wenigen Tagen und erheblich geringeren Kosten pro Quadratmeter.
Logistische Anforderungen bei der Hochmontage
Der Zugang zu hoch gelegenen Glasflächen erfordert eine technische Vorabplanung. Die wichtigsten Zugangsmethoden sind:
- Hebebühnen oder Arbeitsbühnen: für vertikale oder flach geneigte Glasflächen, die vom Boden oder Technikgalerien zugänglich sind.
- Höhenarbeitstechniken (Industriekletterer): für Glasdächer, die nicht per Hebebühne erreichbar sind, mittels Abseilung oder permanenter Anschlagsysteme.
- Zugang über das Dach: wenn technische Dachobergänge vorhanden sind.
Die Absicherung der Unterbereiche (Absperrung, Schutz öffentlicher Verkehrsflächen) ist über belegten Bereichen zwingend vorgeschrieben. Die Kosten für den Hochzugang müssen bereits in der Angebotsphase berücksichtigt werden, da sie bei großflächigen Atrien einen erheblichen Anteil der Gesamtinterventionskosten ausmachen können.
Folienauswahl nach Konfiguration
Für Atrien und Glasdächer gelten folgende Auswahlkriterien für Sonnenschutzfolien:
- Hoher TSER (über 60–70 %) für Verglasungen mit intensivem Solarfluss (horizontale oder flach geneigte Dächer)
- Erhaltene VLT für Atrien, die ein ausreichendes Tageslicht für die Nutzer sicherstellen müssen
- Verglasungskompatibilität: Vorgespannte, laminierte oder wärmebehandelte Gläser können Anforderungen an die Folienauswahl stellen, um Thermobrechung zu vermeiden
- Außen- oder Innenmontage: Außenfolien fangen die Strahlung vor der Glasdurchdringung ab, sind jedoch Witterungseinflüssen ausgesetzt und erfordern geeignete Referenzen
Für die Identifikation der geeigneten Referenzen je Atriumkonfiguration bietet Solar Screen eine technische Begleitung einschließlich einer Vorab-Thermobrechungsanalyse. Entdecken Sie die vollständige Sonnenschutzfolien-Kollektion für Tertiärgebäude und ihre technischen Daten.
Für ein vertieftes Verständnis der Wärmemanagement-Mechanismen in Gewerbegebäuden bietet der Solar Screen-Artikel zur Wärmesteuerung in Gewerbegebäuden durch Sonnenschutzfolien einen ergänzenden Referenzrahmen.
