Bei der Auswahl einer Sonnenschutzfolie für internationale Projekte oder beim Lesen zweisprachiger Datenblätter begegnen zwei Indikatoren häufig nebeneinander ohne Erläuterung: der g-Wert (europäische Norm) und der SHGC (Solar Heat Gain Coefficient, amerikanische Norm). Obwohl sie eine ähnliche physikalische Größe messen, unterscheidet sich ihre Berechnungsmethode geringfügig – was zu Abweichungen bei der Leistungsinterpretation führen kann.
Definitionen: Was jeder Indikator misst
Der g-Wert (auch als g-value oder umgewandelter Abschattungskoeffizient bezeichnet) ist durch die europäische Norm EN 410 definiert. Er gibt den Anteil der gesamten einfallenden Solarenergie an, der ins Gebäude gelangt – entweder direkt (Kurzwellenstrahlung) oder als vom Glas abgegebene Wärme (Langwellenstrahlung). Ein g-Wert von 0,30 bedeutet, dass 30 % der einfallenden Solarenergie ins Gebäude eindringen. Der Wert liegt zwischen 0 und 1 (bzw. 0 und 100 %).
Der SHGC (Solar Heat Gain Coefficient) ist durch die amerikanische Norm NFRC 200 definiert. Er misst dieselbe physikalische Größe: den Anteil der gesamten Solarenergie, der ins Gebäude gelangt. Wie der g-Wert liegt er zwischen 0 und 1.
Als erste Näherung sind g-Wert und SHGC für Standard-Verglasungen numerisch sehr ähnlich – innerhalb weniger Prozentpunkte. Dennoch bestehen methodische Unterschiede.
Methodische Unterschiede
Die Norm EN 410 verwendet ein Referenz-Sonnenspektrum vom Typ „Air Mass 1,5" (AM 1,5), das an europäische meteorologische Bedingungen (gemäßigte Sonneneinstrahlung) angepasst ist. Die NFRC-Norm verwendet ebenfalls eine Spektralverteilung, jedoch mit leicht abweichenden Referenzbedingungen (Temperatur, Wind, Solarfluss).
Der wichtigste praktische Unterschied betrifft die Behandlung der Oberflächenemissivität und der konvektiven Wärmeübertragung im Verglasungsaufbau. Die NFRC-Norm berücksichtigt in ihrer Berechnung spezifische Konvektionsbedingungen, die das Endergebnis leicht verändern können. Bei Standard-Einfachverglasungen beträgt die Abweichung zwischen g-Wert und SHGC in der Regel weniger als 3 Prozentpunkte. Bei komplexen Systemen (Doppelverglasung mit Low-E-Beschichtung oder aufgebrachter Folie) kann die Abweichung 5 bis 8 Prozentpunkte erreichen.
Praktische Anwendung bei Sonnenschutzfolien
Wird eine Sonnenschutzfolie auf eine Verglasung aufgebracht, wird ihr eigener g-Wert (bzw. ihr Beitrag zur SHGC-Reduzierung des Systems Verglasung+Folie) je nach Prüflabor nach einer oder der anderen Norm gemessen.
Die Solar Screen-Datenblätter geben den g-Wert des Systems Verglasung+Folie gemäß EN 410 an, berechnet auf Basis einer 3 mm-Klarglasverglasung oder einer 4-16-4-Doppelverglasung je nach Konfiguration. Ein Film mit einem g-Wert von 0,30 auf einer klaren Doppelverglasung bedeutet, dass die gesamte einfallende Solarenergie auf 30 % reduziert wird.
Zur Umrechnung eines g-Werts in einen SHGC (oder umgekehrt) im Rahmen einer internationalen Ausschreibung gilt folgende Faustformel:
- Bei Messung auf Einfachverglasung: SHGC ≈ g-Wert (±2 %)
- Bei Messung auf Doppelverglasung mit Low-E: Die Abweichung kann ±5 % betragen, je nach Randbedingungen der Norm
In der Praxis ist diese Differenz für übliche technische Entscheidungen marginal und rechtfertigt keine systematische Neuberechnung. Bei Projekten, die einer strengen Energiezertifizierung unterliegen (LEED, BREEAM, RE2020), ist die Konformität mit der im Lastenheft vorgeschriebenen Norm jedoch bindend.
Zweisprachige Datenblätter richtig lesen
Die Daten auf einem Solar Screen-Datenblatt sind gemäß EN 410 angegeben. Falls ein amerikanischer Auftraggeber oder ein nach NFRC-Normen arbeitendes Ingenieurbüro die Werte als SHGC verlangt, empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Die für die Berechnung verwendete Referenzverglasung identifizieren (einfach oder doppelt)
- Die numerische Entsprechung anwenden (in der Regel gleichwertig mit ±3 %)
- Im übermittelten Dokument vermerken, dass der Wert aus EN 410 stammt und näherungsweise umgerechnet wurde
Um jede Unklarheit zu vermeiden, geben einige Hersteller – darunter Solar Screen – beide Indikatoren auf ihren Datenblättern an oder bieten projektspezifische Simulationen nach der jeweiligen Verglasung an.
Für ein vertieftes Verständnis der Messung der Leistungsparameter von Sonnenschutzfolien an gewerblichen Gebäuden erläutert ein Solar Screen-Leitfaden die in Gewerbeprojekten verwendeten Bewertungsmethoden.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
| Indikator | Norm | Hoher Wert = | Ursprung |
|---|---|---|---|
| g-Wert | EN 410 (Europa) | Hoher Wärmeeintrag | g = 0 → 1 |
| SHGC | NFRC 200 (USA) | Hoher Wärmeeintrag | SHGC = 0 → 1 |
| Entsprechung | ~±2 bis 5 % je nach Verglasung | — | Näherungskonvertierung |
Für den Zugang zu den vollständigen Datenblättern der Solar Screen-Sonnenschutzfolien, einschließlich des nach EN 410 gemessenen g-Werts je Verglasungskonfiguration, besuchen Sie die Seite der Sonnenschutz-Kollektion.
